Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Schulmilch in Flaschen - ein Krimi

Schulmilch in Flaschen - ein Krimi

Seit dem Schuljahr 1980/81 wurde der Volksschule Johannes Messner I in Schwaz in Tirol über den Milchhof Milch, Kakao und Vanillemilch in der Flasche angeboten. Im Schuljahr 87/88 stellte der Milchhof von der Flaschenabfüllung auf Packungen um. Nachdem die SchülerInnen die 'Milchpackungs-Müllberge' errechnet hatten, stellte die Schule die Schulmilchbestellung beim Milchhof ein.

Zusammenfassung und Überblick

Es kostete etliche ernsthafte Gespräche mit dem Leiter des Milchhofes (auch andere Schulen reagierten ähnlich!) und nach etwa eineinhalb Jahren gab es die Schulmilch wieder in der Flasche. Leider funktionierte es oft mit der Lieferung nicht, die Milch, vor allem der Kakao waren sauer oder wässrig, und Reklamationen wurden unfreundlichst entgegengenommen. Die Bestellungen der SchülerInnen ging so sehr zurück, dass Handlungsbedarf bestand. Eine neue Lösung wurde gesucht.

Ab dem Schuljahr 95/96 kamen die Milch, die Vanillemilch und der Kakao in der Flasche frisch vom Bauernhof. Lieferantin war Frau Schlechter, die  „Sonnwendbäuerin in Schwaz“. Die SchülerInnen waren glücklich. Sie kannten die Bäuerin und halfen, die Milch ins Schulhaus zu tragen und das Leergebinde zu liefern. Es bestellten wieder durchschnittlich 75 % der Kinder die Schulmilch. Alle Klassen besuchten den Bauernhof und die SchülerInnen lernten die Kühe, die ihnen die Milch lieferten, persönlich kennen.

Als Österreich der EU beitrat, war die Milchbäuerin nicht in der Lage, die Auflagen für den Verkauf von schulgerechter Milch zu erfüllen. Am 1. März 98 war der Traum von guter, frischer Bauernmilch ausgeträumt. Da die SchülerInnen weiterhin Schulmilch haben wollten, begannen Gespräche mit dem Obmann der Schwazer Bauern. Der Milchhof hatte mittlerweile wieder auf 'Packungen' umgestellt und so war es für die umweltbewusste Schule klar, dass eine andere Lösung gefunden werden musste.

Der Obmann der Ortsbauern versprach, eine Lösung mitzusuchen und überlegte, selbst in die Schulmilchproduktion einzusteigen. Von März bis Schulschluss kaufte die Volksschule die Milch in Großpackungen. Die Milch und der selbst gemixte Kakao wurden in Bechern ausgegeben. Den Kindern gefiel diese Betreuung so gut, dass bald 80 % der SchülerInnen die Schulmilch tranken. Das Herrichten übernahmen die LehrerInnen und die SchülerInnen der vierten Klasse. Das konnte aber nur eine Übergangslösung sein!

Gut Ding braucht Weile

Gespräche mit dem Obmann der Ortsbauern im Juli und August 1998 ergaben, dass er vor Jänner nicht in der Lage sein könnte, schulgerechte Milch zu liefern, und dann eben auch nur in Großkannen. In der ersten Septemberwoche meldete sich Frau Schloffer, eine Bäuerin aus Patsch. Sie hatte auf Umwegen von den Bemühungen um schulgerechte Milch vom Bauernhof gehört und bot an, die Milch sogar in der 0,2-l-Flasche zu liefern: 'Gut Ding braucht wohl lang Weil!' Seit Mitte September 1998 gibt es nun wieder schulgerechte Bauernmilch in der Flasche. Die Volksschule bekommt auch Kakao, Vanillemilch und Fruchtmolke. Es trinken wieder zwischen 60 und 80 % der SchülerInnen die Schulmilch und alle sind rundum zufrieden. 


Zuletzt aktualisiert: 2014-02-24

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