Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

VS Waltendorf: "... Wer hätte das gedacht!"

Ein zu enger und lauter Raum war der Anlass für die VS Waltendorf nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. Vor allem ruhige Ecken zum Zurückziehen waren gewünscht. Das Ergebnis der Umgestaltung kann sich sehen lassen.

Ausgangsituation

'zu eng, zu laut, es gibt kein Mauseloch und kein Platzerl ein Buch zu lesen'
Die Kinder rempelten sich ständig. Auffallend war, dass sich die SchülerInnen aus den Rempeleien und Engpässen eher nach oben hin zu befreien suchten. Enge Räume werden auch als lauter empfunden!

Ziel

Eine Klasse zum Wohlfühlen!

Arbeitsprozess - Was ist passiert?

Über eine Sensibilisierung der Wahrnehmung erfolgt die Klärung der tatsächlichen Bedürfnisse der Kinder und der Lehrerin. Eine bauliche Antwort darauf sollte den für die SchülerInnen und die Lehrerin so bedrückenden Zustand verändern. Die Kinder lernten mit Hilfe des RAUM-Labors© die sie umgebenden Schul-Räume besser kennen und begreifen. Ihre Sensibilisierung wurde schon bald spürbar.
Was man von dem Eck aus alles sehen kann!

  • Heute zwitschern die Vögel lauter als die Autos brummen!
  • Wo wird es wirklich eng?
  • wir messen, finden ruhige Winkel und 'Autobahnen'!
  • Kann ich ausweichen?
  • Wann bedrückt es mich?

Sie entdeckten Zusammenhänge von Licht, Farben, Dimensionen etc. und erforschten im 1:1 Experiment verschiedene Raumqualitäten. Sie erfuhren hautnah den Unterschied von Um- und Mit-Welt, indem sie den Einfluss von Raumbedingungen auf sich selber erlebten.
In einem weiteren Schritt versuchten die Kinder das Erarbeitete mit sich, also ihrem Befinden, ihren Tätigkeiten, aber auch ihren Wünschen in Verbindung zu bringen und entdeckten so ihre tatsächlichen Bedürfnisse. Um die Begriffe 'gemütlich' und 'angenehm' in Bezug auf RAUM greifbarer zu machen, wurde eine Phantasiereise zum persönlichen TraumRAUM veranstaltet!

  • Wie ist es dort?
  • Welche Farben hat er?
  • Was für Geräusche und Gerüche fallen mir auf?
  • Sich selber im TraumRAUM zeichnen

Die Kinder lernten auch, wie Farben harmonieren, welche Stoffe sich gut anfühlen, welches Holz man für Möbel verwenden kann und vieles mehr. Als alle Ideen gesammelt waren, begann die Planungsphase. Kinderpläne wurden gezeichnet. 22 kleine 'ArchitektInnen' brachten ihr Für und Wider für die Umgestaltung ein.

Ergebnisse - Erkenntnisse - Lösungsmöglichkeiten

Wirkliche Antwort auf formulierte Kinderbedürfnisse ist präzise Übersetzungsarbeit.
Das bedeutete, das Denken auf den Kopf zu stellen und einen Schritt in die Vertikale zu wagen. Für eine begehbare Galerie war der Raum gerade um einen halben Meter zu niedrig.

Das Expertenteam dachte nicht ganz so hoch hinauf und zog eine neue Ebene der besonderen Art im hinteren Bereich der Klasse ein. Diese Ebene etwas über Tischhöhe besteht aus 9 verschiedenen Hölzern, die auch noch anders duften und unterschiedlich behandelte Oberflächen haben. Die 'Kanten' sind organisch geformt und regen zum Greifen an. Einzelne Hölzer, z.B. Esche, sind als Baumstamm, rohe Schnittfläche und polierte und geölte Oberfläche erlebar. Die Stützen zeigen das ganze Spektrum vom Baum mit Rinde über individuell geformte Elemente bis zum Normkantholz.
Diese Ebene schafft nicht nur Flächen, auf denen die Kinder sitzen oder sich auch einmal hinlegen und ausstrecken können, sondern auch Raum und lässt unterhalb auch die so heiß ersehnte Kuschelecke entstehen. Ein lebendiges Schulmöbel, das zu lebensförderndem Tun anregt.
Groß war die Freude, als endlich der Tischler da war, um mit den Kindern - sie durften selbst nageln, sägen und hämmern - die neue Ebene einzubauen.


Zuletzt aktualisiert: 2012-06-06

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