Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

"Chameleon"
Schülerfirma hilft indischen Ureinwohnern durch Teeverkauf (SchülerInnenfirma)

'Chamäleons sind in der Lage sich durch einen Farbwechsel an die jeweilige Situation besser anzupassen. Zwar verfügen wir Menschen nicht über diese Eigenschaft, aber dennoch können wir etwas verändern. Wenn jeder einen Teil, sei er auch noch so klein, dazu beiträgt, können wir alle es gemeinsam schaffen,' sind die SchülerInnen des Melanchthon-Gymnasiums überzeugt.
SchülerInnen verschiedener Altersstufen gründeten die Schülerfirma 'Chameleon', um die Adivasi, indische Ureinwohner, durch den Verkauf ihres Tees zu unterstützen.

Zusammenfassung und Überblick

Die Schülerfirma 'Chameleon' kauft Tee der Adivasi an und sorgt für den Vertrieb. Neben der Bearbeitung von Teebestellungen und der Organisation von Infoveranstaltungen erledigen die SchülerInnen die Buchhaltung, verhandeln mit Kunden und präsentieren ihre Produkte im Internet. Der erwirtschaftete Gewinn wird geteilt. Die Hälfte des Erlöses geht an die Adivasi und dient z.B. der Kreditrückzahlung für die Teeplantage. Die anderen 50 % investieren die Jugendlichen in ihre Firma - für Ausstattung, Fortbildung und themenorientierte Ausflüge.
Die neun festen MitarbeiterInnen - eine Lehrerin und acht SchülerInnen unterschiedlicher Altersstufen - treffen sich einmal monatlich zu AG-Treffen, um sich gegenseitig auszutauschen. Das Kernteam der Schülerfirma wird von den 'Young Chameleons' (SchülerInnen der 6. Klasse) unterstützt. Sie veranstalten Verkaufsaktionen, z.B. bieten sie jeden Mittwoch Eistee in der großen Pause an.

Der persönliche Kontakt zu den UreinwohnerInnen Indiens ist für das Projekt von zentraler Bedeutung. Alle zwei Jahre kommt eine Gruppe der Adivasi zum Kirchentag nach Deutschland. Für die Jugendlichen ergibt sich dadurch die Möglichkeit eines intensiven kulturellen Austausches und sie sehen, was ihre Arbeit bewirkt.

Direct Links, Schülerfirmen

Die Schülerfirma 'Chameleon' funktioniert auf Basis des Konzepts 'Direct Links'. Erzeuger und Verbraucher arbeiten dabei direkt zusammen. Sowohl die Adivasi (Erzeuger) als auch die SchülerInnen (Kontakt zu Verbrauchern) gestalten gemeinsam die Handels- und Verkaufsbedingungen auf der Basis von sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verträglichkeit. Ein Beispiel dafür ist zum Beispiel die 50/50-Aufteilung des Erlöses.

Kurzinfo zu Schülerfirmen

Grundsätzliches zu Schülerfirmen:
  • Sie sind von SchülerInnen selbständig betriebene ökonomische Projekte
  • Sie stellen Produkte her bzw. erbringen Dienstleistungen, die sie entweder in Schulen oder außerhalb erbringen
  • Sie unterscheiden sich von hergebrachten 'Scheinfirmen' dadurch, dass sie mit echten Produkten und mit echtem Kapital arbeiten
  • Sie werden in der betrieblichen Ausbildung von Unternehmen oder in allgemeinbildenden Schulen betrieben Es gibt vor allem zwei Grundmodelle:
  • Die Firma umfasst eine Lebensdauer von wenigen Monaten bis zu einem Schuljahr. Sie wird gegründet, durchgeführt und wieder aufgelöst. Ziel dieser Form ist im Wesentlichen, die mit solch einem Prozess verbundene Lernerfahrung zu vermitteln
  • Die Firma ist ein dauerhaftes Projekt. Hier kommen Lernerfahrungen wie Realismus und Professionalität, Einarbeitung der 'Neuen' durch die 'Alten', Veränderung der Schule, die mit der dauerhaften Verankerung einhergeht.


Schülerfirmen, die im Sinne der Nachhaltigkeit geführt werden:
  • fördern Suche nach neuen Modellen von Wohlstand, Konsum, Leben und Arbeit,
  • lassen handlungsorientierte Verbindung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielsetzungen zu,
  • bieten Möglichkeiten, nachhaltiges Wirtschaften zu erfahren,
  • fördern eine veränderte Lebensgestaltung, Einstellungen und Kompetenzen,
  • fördern als 'Lehr-Lernsetting' für die Vermittlung von Gestaltungskompetenzen die Fähigkeit, Solidarität zu entwickeln und mit Unsicherheiten und Risiken umzugehen.


Aus:  Schülerfirmen. Earning oder learning. Themenhaft von '21 - Das Leben gestalten lernen', Heft 4, Okt. 2001
Zu beziehen bei:
Ökom, Gesellschaft für ökologische Kommunikation mbH,  Homepage

Produkte aus fairem Handel

Produkte aus fairem Handel, wie z.B. Kaffee, Kakao, Tee, Zucker oder Bananen werden in Österreich unter der Trademark FAIRTRADE bzw. TRANSFAIR angeboten. Dieses Siegel garantiert KonsumentInnen, dass PlantagenarbeiterInnen und Kleinbauernfamilien als ProduzentInnen für ihre Produkte einen gerechten Preis erhalten und steht für hohe Qualität aus naturnahem Anbau.

Zum Weiterlesen

21 - Das Leben gestalten lernen. Thema: Schülerfirmen Heft 4/Oktober 2001
Stein, Julia: Büffeln & Business. Firmengründung für Schüler und Studenten

Zum Weitersurfen

 Weitere Informationen zum Adivasi-Teeprojekt
 Allgemeine Informationen zu Schülerfirmen

Kooperationspartner

Adivasi-Tee-Projekt der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen StudentInnengemeinde Deutschland (ESG)
Stadtverwaltung Bretten
NaSch21-Nachhaltige Schülerfirmen 21
Handelspartner: Adivasi-Tee-Projekt, Rottenburger Weltladen


Zuletzt aktualisiert: 2012-06-06

 zurück zur vorigen Seite