Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Come-back in Schulgärten:
Mit alten Nutzpflanzen eine Brücke schlagen

'Wir pflanzen in unserem Schulgarten Salat, Kürbisse, Rüben, Kohl und Paprika an', schreibt Diego, Schüler aus San Lucas, Südecuador, an deutsche SchülerInnen. Diego und seine Schule nehmen am deutsch-ecuadorianischen Schulgartenprojekt mit alten Nutzpflanzen teil, das bereits im Jahr 2001 begonnen hat. Die SchülerInnen beschäftigen sich mit dem Thema Vielfalt, indem sie selten gewordene Gemüse und Kräuter anbauen.

Zusammenfassung und Überblick

Im Rahmen des Projekts erfahren die jungen GärtnerInnen sehr schnell, dass es eine weitaus größere Vielfalt an Obst, Gemüse und Kräutern gibt als im Supermarkt angeboten wird, und dass viele Kulturpflanzen ihren Ursprung in Südamerika haben. Das Projekt wird in die wöchentliche Gartenarbeit integriert, doch neben Karotten und Blumen werden nun seltene Sorten wie blau- und rotschalige Kartoffelsorten (Edzell Blue vor 1890 in Schottland gezüchtet, Roseval um 1950 aus Frankreich stammend), Erdbeerspinat, Rote Gartenmelde und verschiedene Bohnensorten angebaut.
Die SchülerInnen gewinnen von den angebauten Gemüsesorten auch eigenes Saatgut und säen es im folgenden Jahr wieder aus. Damit leisten sie einen kleinen Beitrag zum Erhalt biologischer Vielfalt.
Mit Hilfe von Briefen, Zeichnungen und Fotos findet per Post ein Austausch zwischen den beteiligten Schulen quer über den Atlantik statt. Gleichzeitig wird globales Lernen und interkulturelles Verständnis gefördert. So erfolgt ein Brückenschlag zwischen Ecuador und Deutschland. Wie gut dieser gelingen kann, zeigt das Engagement von SchülerInnen der Orientierungsstufe in Amelinhausen. Sie sammelten Geld für den Kauf einer Regentonne mit Schlauch, damit eine ecuadorianische Schule ihre Beete auch in der Trockenzeit bewässern kann. In den ecuadorianischen Gärten wachsen nun wieder Baumparadeiser (ein Nachtschattengewächs), Mais und das eiweißreiche Korn Quinoa.

Alte Kulturpflanzen

Alte Kulturpflanzen berreichern den Speiseplan, sind schmackhaft oder sehen schön aus, wie z.B. der Erdbeerspinat mit seinen leuchtend roten Früchten. Sortenvielfalt entsteht nur durch viele Menschen in verschiedenen Regionen. Viele unserer heute selbstverständlich genutzten Kulturpflanzen kommen ursprünglich aus Lateinamerika, Asien, Afrika und dem Mittelmeeraum. Die Nutzpflanzen wurden je nach Region weiterentwickelt, um sie an Boden und Klima anzupassen; neue, so genannte Landsorten entstanden.

Der Verein  INKA - Internationales Netzwerk für Kultur- und Artenvielfalt e.V. setzt sich für den Erhalt von biologischer und kultureller Artenvielfalt im Andenraum und Deutschland ein und schlägt in der Bildungsarbeit eine Brücke zwischen Nord und Süd. Die initiierten Schulgartenprojekte ermöglichen jungen Menschen, die Bedeutung biologischer Vielfalt anhand von praktischen Erfahrungen zu begreifen.

Zum Weiterlesen

Nutzpflanzen erhalten. Ein Leitfaden zum Anbau alter Gemüsesorten, Kräuter und Färbepflanzen (Böttger, Katrin et al.; INKA)
Leben in Hülle und Fülle. Vielfältige Wege zur Biodiversität Nutzpflanzenvielfalt entdecken (FORUM Umweltbildung, 2002)


Zuletzt aktualisiert: 2012-06-06

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