Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

"In den Mund geschaut" - Projekt zeigt der Karies die Zähne.

Welche Ideen stecken hinter dem Projekt?

Stevia rebaudiana Bertoni wird in Südamerika seit Jahrhunderten als Süßungsmittel verwendet. Der Extrakt der Blätter ist 300 Mal so süß wie Zucker, verursacht keine Karies und enthält keine Kalorien. Die Pflanze und der Extrakt sind in Ländern wie Brasilien oder Japan seit Jahren zugelassen, in der EU ist nach der Novel Food Verordnung der Einsatz in Lebensmitteln nicht möglich. Die Wirksubstanz Steviosid wird allerdings sehr heftig als günstiges Süßungsmittel für die Lebensmittelindustrie diskutiert. Gerüchte auf diversen Web-seiten behaupten, dass Stevia sogar Karies hemmt. Nirgends werden jedoch wirklich wissenschaftliche Beweise angeführt. Aus diesem Grund wurde an der HBLA Ursprung ein fächer- und klassenübergreifendes Projekt gestartet.


Zielsetzungen

Die SchülerInnen wollten überprüfen, ob sich das natürliche Süßungsmittel tatsächlich auch positiv auf die vom Mund gewonnenen Bakterienkulturen auswirkt und somit direkt Karies hemmend wirken könnte. Weiters sollte versucht werden die Pflanze anzubauen. Mögliche Rezepte sollten recherchiert oder erstellt werden.

Ergebnis

Herausforderungen, die nur durch Kreativität und Teamwork zu bewältigen waren, führten schlussendlich zu faszinierenden Ergebnissen. Durch Stoffwechselausscheidungen des Streptococcus mutans, des Karies verursachenden Bakteriums, wird der pH-Wert im Mund gesenkt. Aufgrund dieses sauren Milieus kann sich der Keim in Form von Plaque, einer Art Biofilm, an die Zähne haften und diese schädigen. Unsere „Fütterungsversuche“ am Streptococcus mutans im Vergleich zeigten, dass mit Steviosid der pH-Wert über 5,5 bleibt und sich somit die Bakterien zwar weiterhin vermehren, jedoch nicht in der Lage sind, den schädigenden Biofilm zu bilden. Mit Zucker bildete sich bei einem pH unter 5 immer Plaque.

Der Anbau der Pflanze erwies sich als schwierig, von ca. 1000 Samen keimten nur zwei. Wesentlich einfa-cher ist die vegetative Vermehrung über Stecklinge.

Die Verwendung von Steviosid in der Küche verlief durchwegs positiv. Stevia kann als unauffällige Alternati-ve zu Zucker beim Kochen verwendet werden.

Begründung der Kommission

Die Projektarbeit an der HBLA Ursprung findet permanent und auf höchstem Niveau statt. Jährlich werden beim Bildungsförderungsfonds originelle Fragestellungen eingerreicht und wissenschaftlich abgehandelt. Die Schule hat ein gut ausgestattetes Labor, ausgezeichnete Lehrerinnen und Lehrer – so arbeitete Frau MMag.a Dr.in Edith Oberkofler vor ihrer 'Schulkariere' lange an einem molekularbiologischen Institut an der Univer-sität Salzburg, für sein Stevia-Projekt wurde Her Dr. Konrad Steiner kürzlich mit Teachers´Award von der Industriellenvereinigung ausgezeichnet – und eine Direktion und LehrerInnen, die Verständnis für diese Ar-beit aufbringen.


Zuletzt aktualisiert: 2012-06-06

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