Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Zeitungsanalyse am Beispiel Energiesparen

Energiespar-Programm für Wien erstellt


Experten wollen Jahresenergieverbrauch der Stadt um insgesamt 1.800 Gigawattstunden senken.

München/Wien - Bis 2015 soll sich der Jahresenergieverbrauch der Stadt Wien um insgesamt 1.800 Gigawattstunden vermindern. Zu diesem Schluss kommen Experten der Gruppe 'Energie- und Systemstudien' des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP), die gemeinsam mit städtischen Energiefachleuten, der Technischen Universität (TU)-Wien, der Östereichischen Energieagentur und dem Unternehmen IRM ein Energiespar-Programm entwickelt haben. Allein im Bereich der im IPP untersuchten privaten Haushalte ließen sich jährlich 90 Gigawattstunden, d.h. 900 Gigawattstunden bis zum Jahr 2015, einsparen. Insgesamt zeigt das Sparprogramm Wege auf, den bis 2015 zu erwartenden Anstieg des Wiener Endenergieverbrauchs von zwölf auf sieben Prozent zu bremsen.
 

Verbrauch im Steigen

'Von 1993 bis 2003 stieg der Endenergieverbrauch in den Wiener Haushalten, im Verkehr, in Industrie und Gewerbe sowie für öffentliche und private Dienstleistungen um insgesamt 24 Prozent auf rund 38.000 Gigawattstunden', so Projektleiter Stefan Winkelmüller vom IPP. Nach Berechnungen der TU-Wien würde dieser Verbrauch bei 'Business as usual' bis 2015 um weitere zwölf Prozent auf 42.000 Gigawattstunden klettern. Etwa ein Drittel des Energieverbrauchs in Wien falle auf private Haushalte. 'Bei der Erstellung des Energiespar-Programms wurden gerade diese am genauesten analysiert', so Winkelmüller. 'Ziel war es nun, Wege aufzuzeigen, wie die Wiener Verbraucher durch Steigerung der Energieeffizienz mit möglichst geringem volkswirtschaftlichen Aufwand möglichst viel Energie einsparen können', erklärt der Experte. 'Durch die von uns vorgeschlagenen Maßnahmen könnte der Gesamtverbrauch der privaten Haushalte bis 2015 im Vergleich zu 2005 um sechs Prozent bzw. rund 900 Gigawattstunden sinken.'
 

Unterscheidung Alt- und Neubau

Am Beginn von Winkelmüllers Analyse stand die ausführliche Beschreibung möglicher technischer Sparmaßnahmen in den Haushalten, zum Beispiel die Sanierung der Gebäude oder der Wechsel zu sparsameren elektrischen Geräten. Bereits im Vorfeld wurde auch geprüft, ob sich diese Maßnahmen tatsächlich umsetzen lassen. Um den Energieverbrauch der Wiener Haushalte dann in einem Rechenmodell abilden zu können, war in einem zweiten Schritt das ausführliche städtische Datenmaterial zu strukturieren, das Auskunft gibt über Alter, Zustand und Heizung der 168.000 Wiener Gebäude und die Ausrüstung der 800.000 Haushalte mit Elektrogeräten. Zudem wurden auch die vorhandenen Ein- und Mehrfamilienhäuser sehr detailliert in je sieben Altersklassen sortiert. Für Neubauten wurden unterschiedliche Wärmeschutz-Standards berücksichtigt. Zur Anwendung kam auch ein vom Unternehmen IRM entwickeltes Rechenprogramm, das komplexe Energiesysteme abilden und ihre mögliche Entwicklung unter vorgegebenen Randbedingungen kostenoptimiert berechnen kann.
 

Finanzieller Bonus des Energiesparens

Im Modell wurden unterschiedliche Einsparungsvarianten - 900, 1.500 und 2.000 Gigawattstunden im Jahr 2015 - untersucht. 'Aus den Daten über die Wiener Haushalte sowie den Kosten für Energieversorgung, Sanierung und Geräteersatz lieferte das Modell nun den mit den geringsten Gesamtkosten verbundenen Weg zur Deckung der vorgegebenen Energienachfrage', erklärt Winkelmüller. 'Eine Einsparung von 900 Gigawattstunden im Jahr 2015 verursacht gegenüber business-as-usual keine Mehrkosten, sondern spart im Gegenteil neben Energie auch Kosten ein.' Hier lohnen sich die Anstrengungen zum Energie sparen also nicht nur für die Umwelt sondern auch finanziell, führt der Experte an. Das größte Einsparungspotenzial ergebe sich durch die Sanierung von Gebäuden aus den 50er bis 70er Jahren sowie dem Wechsel zu effizienteren Heizsystemen. 'Der ermittelte Maßnahmen-Mix hat sogar bei weiter steigenden Energiepreisen Bestand.' Deutlich wurde auch, dass je höher die Energieersparnis sein soll, desto geringer erwartungsgemäß die Kosteneinsparungen ausfallen. Der Gesamtbericht des Projektteams enthält auch Sparstrategien für die Bereiche Dienstleistungen, Industrie und Gewerbe. (pte)
 

Quelle

Artikel vom 23. August 2006
 Standard - online
 
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-06

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