Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Methodenbeispiel: Runder Tisch zur Klimaschutzgemeinde

Das sich Hineinversetzen in verschiedene Interessengruppen schafft Verständnis für andere Meinungen bzw. Interessen und fördert die Bereitschaft zu einem breiten Konsens.
 

Projektbeschreibung

Ihre Gemeinde will Klimaschutzgemeinde werden. Dazu hat es eine Anfrage an die Lokale Agenda 21 gegeben, die nun einen „Runden Tisch“ initiiert hat.
Er besteht aus 14 Interessengruppen. Die SchülerInnen haben nun die Möglichkeit sich in Kleingruppen (zwei bis drei Personen pro Gruppe) zusammenzutun und jeweils eine Interessengruppe zu vertreten.

In der Vorbereitungszeit sollen sie sich zusätzliche Argumente ihrer GesprächspartnerInnen überlegen und Vorschläge zu möglichen Kooperationen liefern. Ziel ist es, aus der ersten Runde ein Bündel an Vorhaben und Aufgaben mitzunehmen und die Machbarkeit erneut in der Kleingruppe zu diskutieren. Ergebnisse sollen in der nächsten Runde möglichst kreativ präsentiert werden. Wichtige Anhaltspunkte sind die jeweiligen finanziellen Aufwände, die von den verschiedenen Gruppen getragen werden müssen. Größenordnungen sollten bekannt gegeben werden.
 

Welche Interessengruppen gibt es und welche Interessen verfolgen sie?

  • BürgermeisterIn
    Will die Zertifizierung als Klimaschutzgemeinde nur, wenn sich möglichst viele Menschen an dem Projekt beteiligen. Hat gute Beziehungen zu den VertreterInnen der Betriebe und Einrichtungen und hält viel von dem Konzept der lokalen Agenda 21.
  • SchuldirektorIn
    Ist bereit, Energie- und Klimaschutzthemen in die Lehrpläne einzubauen. Unterichtskonzepte sollen in Kooperation mit LehrerInnen, SchülerInnen, Eltern und GemeindevertreterInnen erstellt werden.
  • LandwirtInnen der Region
    Für den Umstieg auf biologische Landwirtschaft sind finanzielle Hilfsmittel nötig. Regionale Produkte müssen von den Handelsketten zuverlässig in ausreichender Menge verkauft werden. Nischenprodukte müssen speziell gefördert werden. Der Ab-Hof-Verkauf darf nicht durch geregelte Verkaufszeiten eingeschränkt werden. Die Sammlung von Biomüll muss den Höfen in entsprechender Menge zurückgeführt werden. In Kooperation mit den Tourismusverbänden können Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Konzepte entwickelt werden. SchülerInnen und Studierende können in den Ferien Praktikumsarbeiten an den Höfen durchführen.
  • ForstwirtschafterInnen der Region
    Die Holznachfrage und –bereitstellung muss sich in der Waage halten. Die Nutzung und Aufforstung der Wälder braucht ein gutes Management. Die Holznutzung der Region darf bestimmte Mengen nicht überschreiten. In schulnahen Wäldern können Waldlehrpfade eingerichtet werden. Für Schulexkursionen und Betriebsführungen stehen sie jederzeit zur Verfügung.
  • Tourismusbetriebe
    Die Klimaschutzauflagen dürfen den Tourismus nicht negativ beeinflussen. Sind die Auflagen zu dramatisch, bleiben die UrlauberInnen womöglich aus. Der öffentliche Verkehr muss gut organisiert sein, so dass es für Gäste möglich ist, ihr Auto zu Hause zu lassen. Vor allem innerhalb der Saisonzeiten müssen auch touristisch attraktive Plätze angefahren werden. Die Region muss sich als Ganzes der Zielgruppe für Ökotourismus präsentieren. Dies sind vor allem Familien mit kleinen Kindern, als auch Alleinstehende und Paare. Die Betriebe sind bereit, Lehrpersonal mit dem nötigen Wissen rund um einen Ökotourismusbetrieb auszustatten und Studierende können als PraktikantInnen aufgenommen werden.
  • Verkehrsbetriebe
    Der öffentliche Nahverkehr kann nur mit finanzieller Unterstützung ausgebaut werden. Die Betriebe befürchten, dass das zusätzliche Angebot nicht ausgelastet sein wird. Möglichkeiten bieten sich in der Zusammenarbeit mit anderen bestehenden Einrichtungen, wie z.B. Postbussen.
    Die Anbindung an überegionale öffentliche Verkehrsnetze, wie das Schienennetz, muss gewährleistet sein.
  • Installationsbetriebe (ElektrikerInnen, InstallateurInnen, RauchfangkehrerInnen..)
    Für die Angestellten müssen Zusatzausbildungen im Bereich der erneuerbaren Energiequellen organisiert und finanziert werden. Die Betriebe sind bereit, einen Teil der Kosten zu übernehmen. Außerdem soll die Ausbildung für Mädchen speziell gefördert werden. Dafür braucht es Unterstützung von Seiten der Schulen und Verwaltungseinrichtungen, sowie eigene Bewerbungsmöglichkeiten.
  • ArchitektInnen
    Sind aufgerufen, bei Neubauten vermehrt auf die Technik von Passiv-, und Niedrigenergiehäusern zu achten. Bei Umbauten sollen sie das nötige Know-how einbringen und intensiv mit den Installationsbetrieben zusammenarbeiten.
  • Entsorgungsbetriebe
    Würden bei einer Aufklärungskampagne für Müllvermeidung und –trennung aktiv mitarbeiten, die Kosten sollen aber aufgeteilt werden. Für die betriebliche Umstellung auf den neuesten Stand der Umwelttechnik benötigen sie finanzielle Unterstützung. Im Notfall kann auch bei der regionalen Bank ein Kredit aufgenommen werden.
  • Handelsketten, Geschäfte
    Sind bereit, regionale Produkte anzubieten, solange sie keine Verluste damit schreiben. Die Bewerbung der Produkte sollte gemeinsam mit lokalen Einrichtungen gemacht werden und die Kosten dafür gemeinsam getragen werden. Die KonsumentInnen sollen die Möglichkeit haben, sich die Betriebe „mit eigenen Augen“ anzusehen.
  • Banken
    Erklären sich bereit, klimafreundliche Projekte mit günstigen Krediten zu unterstützen. Sie sind aber keine „Wohlfahrtsgesellschaften“ und müssen auf ihre Gewinne achten.
  • Wissenschaftliche BeraterInnen zu den Themen Regionalentwicklung, Energie- und Materialflussanalyse
    Evaluation und Monitoring bestehender Strukturen, Machbarkeitsanalysen für zukünftige Projekte, Luftgüte- und Wasserqualitätsmessungen, Analyse von Bodenproben, usw. Die Aufträge müssen extern finanziert werden, die Universität ist auf Drittmittel angewiesen. Das Projekt ist zugleich Ausbildungsmöglichkeit für Studierende.
  • Interessierte, bzw. betroffene BürgerInnen
    Häuslbauer möchten von Anfang an ökonomischen und umweltverträglichen Hausbau betreiben. Besitzer von bestehenden Gebäuden möchten keine kostenanfälligen Umbauten vornehmen müssen, es sei denn, die lokale Politik und Verwaltung unterstützt sie dabei.
  • LA21
    Neutrale Moderation und Begleitung. Ziel ist es, die Gemeinde ihren eigenen Steuerungs- und Regelprozessen zu überlassen. Achtet auf Stimmgewichtungen, ausgeglichene Wortmeldungen und Gesprächsklima, organisiert Protokollberichte und stellt diese zur Verfügung.

 
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-06

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