Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Rollenspiel: „Möglichkeiten zur Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs“

Dauer: ca. 3 Unterichtsstunden


Ziel

Ausgangspunkt dieses Planspiels ist die Umsetzung des Kyoto-Protokolls. Östereich hat sich verpflichtet, seine CO2-Emissionen zwischen 2008 und 2012 um 13% - bezogen auf 1990 - zu reduzieren. Tatsächlich ist der Verkehr einer der Hauptverursacher des aktuellen CO2-Ausstoßes. Hinzu kommt, dass die CO2-Emissionen des Verkehrs zwischen dem Jahr 1990 und dem Jahr 2000 um 35% gestiegen sind. Aus diesem Grund sollen die SchülerInnen über verschiedene Möglichkeiten zur Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs diskutieren, indem sie in die Rolle einer Interessengruppe schlüpfen, sich mit deren Ansichten und Zielen auseinander setzen und anschließend in einer Verhandlungsrunde mit anderen Interessengruppen ihre Interessen durchzusetzen versuchen. Auf diese Weise üben die SchülerInnen das Argumentieren und Diskutieren. Kompromisse können geschlossen werden. Wichtig ist es auch, für jede Gruppe zu klären, welche Interessen nicht oder nur unter besonderen Bedingungen Gegenstand von Kompromissen sein können und auch, weshalb das so ist.
 
Hinweis:
Beispiele unterschiedlicher Sichtweisen gibt es auch im Kapitel über den Handel von CO2-Zertifikaten:  Emissionshandel und internationale Projekte - stimmen Theorie und Praxis überein?
 

1. Unterichtsstunde:

Spieleinführung

Der Lehrer/die Lehrerin stellt das Planspiel kurz vor (Ablauf, Ziel)

Die SchülerInnen bilden Kleingruppen (drei SchülerInnen pro Gruppe). Jede Gruppe übernimmt eine andere Rolle.

Folgende Rollen stehen zur Auswahl:
  • Umweltschützer
  • Politiker
  • Verkehrsplaner
  • Straßenanrainer
  • Firmenchef
  • Betriebsrat einer Transportfirma
  • Angestellter (Mitarbeiter einer Firma)
  • Moderator (Diskussionsleiter)


Die Rollenkarten mit möglichen Argumenten und andere Spielunterlagen werden ausgeteilt - Sie finden sie am Ende dieses Textes.
 

Informationsphase

Die SchülerInnen setzen sich mit den vorgegebenen Informationen auseinander, indem sie die Rollenkarten mit den möglichen Argumenten und die anderen Spielunterlagen durchlesen bzw. durcharbeiten. Wichtige Stellen werden hervorgehoben, die Rollenkarten mit den möglichen Argumenten beliebig erweitert und etwaige Verständnisfragen in der Gruppe geklärt.

Das FORUM Umweltbildung bietet zahlreiche Informationen dazu:  Klimawandel und Klimaschutz

 

2. Unterichtsstunde:

Strategiebildung

Die SchülerInnen entwickeln eine Strategie, wie sie ihre Interessen und Ziele in der anschließenden Verhandlungsrunde am besten durchsetzen können.

Verhandlungsphase
In der Verhandlungsphase erfolgt der Informationsaustausch zwischen den einzelnen Gruppen. Die SchülerInnen versuchen, ihre Interessen durch geschicktes Argumentieren durchzusetzen.

Konferenzphase
Die Problemlösungsvorschläge der einzelnen Gruppen werden unter der Leitung des Lehrers/der Lehrerin diskutiert und ein Kompromiss wird angestrebt.



3. Unterichtsstunde:

Spielauswertung
Abschließend erfolgt eine Reflexionsrunde über den Verhandlungsprozess. In Form eines Feedbacks werden persönliche Beobachtungen bzw. Erfahrungen zwischen Schülern/SchülerInnen untereinander und zwischen LehrerIn und SchülerInnen ausgetauscht.

Möglichkeiten der Spielauswertung
Ziel der Spielauswertung ist es, den Sinn des Spieles deutlich zu machen und den SchülerInnen ein Lernen aus dem Diskussionsprozess zu ermöglichen.
  • Folgende Fragen können im Rahmen der Spielauswertung gestellt werden:
  • Wie ist es euch mit eurer Rolle gegangen?
  • Was war schwierig zu diskutieren?
  • Wie kann man besser mit Konflikten umgehen?
  • Gibt es Dinge, wo es keine Kompromisse gibt?
  • Wo könnt ihr euch Kompromisse/Lösungen vorstellen?
  • Wo ist es sinnvoll Kompromisse zu schließen?


 

 

Rollenkarte: Umweltschützer

 
Was spricht gegen eine Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Umweltschützers?
XXXXX

Was spricht für eine Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Umweltschützers?
Das Hauptargument des Umweltschützers ist: Der Klimawandel findet statt – der menschliche Treibhauseffekt ist Realität – und es kommt zu großen Umweltzerstörungen, die Grund aber auch Folge des Klimawandels sind. Letztlich wird auch der Mensch stark darunter leiden.

Der Umweltschützer zeigt mögliche Auswirkungen eines zu hohen CO2-Gehaltes, wie z.B. auf die Gesundheit der Menschen/auf die Agrarwirtschaft/Ökosysteme usw. auf.

Um wie viel Prozent sollen die CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Umweltschützers gesenkt werden?
Er setzt sich für einen niedrigeren CO2-Ausstoß ein.
Er ist der Meinung, dass eine langfristige Reduktion des CO2-Ausstoßes von mindestens 60% (im Vergleich zu 1990) notwendig ist.

Welche Möglichkeiten gibt es zur Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Umweltschützers?
Um die CO2-Emissionen zu reduzieren, tritt er für die ökologische Steuereform ein.
Der Umweltschützer sieht das Umsteigen auf den öffentlichen Verkehr als Möglichkeit zur Reduktion des CO2-Gehaltes.
 

 

Rollenkarte: Politiker

Was spricht gegen eine Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Politikers?
Individualverkehr bedeutet große Aufwendungen der Industrie für die Infrastruktur und daher kommt es zu einer Verbesserung der Arbeitsmarktsituation. Weniger Pkws und Lkws könnten das verhindern.

Was spricht für eine Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Politikers?
Das Hauptargument des Politikers ist die Erfüllung des Kyoto-Protokolls: Östereich hat sich verpflichtet, seine CO2-Emissionen bis zum Jahr 2010 zu reduzieren.
Er weist auf den Druck hin, dass das Kyoto-Protokoll erfüllt werden muss und zeigt die Folgen auf (Klagen der EU, internationale Schwierigkeiten, Treibhauseffekt), falls es nicht eingehalten wird.
 
Um wie viel Prozent sollen die CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Politikers gesenkt werden?
Östereich hat sich verpflichtet, seine CO2-Emissionen bis zum Jahr 2010 um 13%, bezogen auf 1990, zu reduzieren (Kyoto-Protokoll). Die Last muss gleichmäßig verteilt werden und besondere Interessengruppen dürfen nicht so stark belastet werden (z.B. die Großindustrie).

Welche Möglichkeiten gibt es zur Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Politikers?
Es handelt sich um eine breite Palette teilweise bereits abgestimmter Maßnahmen. Der Handel mit Emissionsrechten, eine ökologische Steuereform, diverse regionale oder lokale Maßnahmen (Klimaschutzprogramme) usw.
 

 

Rollenkarte: Verkehrsplaner

Was spricht gegen eine Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Verkehrsplaners?
Verkehr kann gemanaged werden. Es werden sich immer Möglichkeiten finden, mit dem zunehmenden Verkehrsaufkommen umzugehen.

Was spricht für eine Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Verkehrsplaners?
Oft ist eine Kombination individueller Verkehrsmittel mit öffentlichen sehr sinnvoll - er tritt für den Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes ein, damit Menschen z.B. weniger Zeit brauchen, um zum Arbeitsplatz zu gelangen oder um Straßen frei zu halten.
Der Verkehrsplaner plädiert für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und des Massentransportes, um die Wettbewerbsfähigkeit von Standorten zu unterstützen.

Um wie viel Prozent sollen die CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Verkehrsplaners gesenkt werden?
Entsprechend der Vorgaben aus dem Kyoto-Protokoll und der Klimastrategie. Also zwischen 15 und 20%.

Welche Möglichkeiten gibt es zur Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Verkehrsplaners?
Der Verkehrsplaner setzt auf den Ausbau des öffentlichen Verkehrs um den CO2-Gehalt zu reduzieren.


 

Rollenkarte: Straßenanrainer

Was spricht gegen eine Reduktion des Verkehrs und der CO2-Emissionen aus der Sicht des Straßenanrainers?
XXXXXXXX

Was spricht für eine Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Straßenanrainers?
Der Straßenanrainer plädiert für weniger Straßenverkehr, weil er den ständigen Lärm und die Abgase satt hat.

Um wie viel Prozent sollen die CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Straßenanrainers gesenkt werden?
Keine genauen Vorstellungen

Welche Möglichkeiten gibt es zur Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Straßenanrainers?
Verkehrsberuhigende Maßnahmen (30er-Zone, Wohnstraße)
Mehr öffentliche Verkehrsmittel


 

Rollenkarte: Firmenchef eines Autohauses

Was spricht gegen eine Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Firmenchefs?
Die Hauptargumente des Firmenchefs eines Autohauses sind:
Der Transport mit dem Lkw ist billiger als der Transport mit dem Zug. Nachdem die Ware mit dem Zug transportiert worden ist, muss sie wieder auf den Lkw verlagert werden, um zum Bestimmungsort zu gelangen. Die Autoindustrie ist ein wichtiger Arbeitgeber: „Jeder 7. Arbeitsplatz hängt vom Pkw ab“ (DI Dr. Horst Steinmüller: Kyoto-Zielerfüllung im Verkehr – eine Illusion?, Universitätsverlag Rudolf Trauner Linz. 2002, S. 65) und außerdem mag er einfach Autos.

Was spricht für eine Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Firmenchefs?
XXXXXXXX

Um wie viel Prozent sollen die CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Firmenchefs gesenkt werden?
XXXXXXXX

Welche Möglichkeiten gibt es zur Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Firmenchefs?
XXXXXXXX


 

Rollenkarte: Betriebsrat einer Transportfirma

Was spricht gegen eine Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Betriebsrates?
Das Hauptanliegen des Betriebsrates einer Transportfirma ist die Sicherung der Arbeitsplätze seiner KollegInnen.
Er äußert die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes vieler MitarbeiterInnen.

Was spricht für eine Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Betriebsrates?
XXXXXXXX

Um wie viel Prozent sollen die CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Betriebsrates gesenkt werden?
XXXXXXXX

Welche Möglichkeiten gibt es zur Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Betriebsrates?
XXXXXXXX


 

Rollenkarte: Angestellter

Was spricht gegen eine Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Angestellten?
Das Hauptargument des Angestellten ist, dass er auf keinen Fall auf seinen Pkw verzichten will. Er hat Angst um seinen Arbeitsplatz. Er ist von seinem Pkw abhängig. Ein eigener Pkw ist z.B. notwendig, um der zunehmend geforderten Flexibilität am Arbeitsmarkt gerecht zu werden.
Es ist viel angenehmer, mit dem Auto zum Arbeitsplatz zu fahren als zu Fuß oder mit dem Fahrad.

Was spricht für eine Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Angestellten?
Klimawandel und Treibhauseffekt könnten schon ein Problem werden, aber wenn ich auf mein Auto verzichte, dann hat das ja ohnehin keinen Einfluss. Die Industrie sollte den CO2 Ausstoß veringern.
Vielleicht könnte man auch versuchen, die Anzahl der Lkws zu veringern, die stören ohnehin sehr auf der Autobahn.

Um wie viel Prozent sollen die CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Angestellten gesenkt werden?
Weniger Lkws wären ein guter erster Schritt – vielleicht 10%?

Welche Möglichkeiten gibt es zur Reduktion der CO2-Emissionen des Verkehrs aus der Sicht des Angestellten?
Der Angestellte könnte sich auch das Car-Sharing-Modell als Mittel zur Reduktion der CO2-Emissionen vorstellen.


 

Rollenkarte: Moderator

 
Der Moderator ist der Diskussionsleiter des Planspiels. Er ist dafür verantwortlich, dass auf die folgenden Fragen der Reihe nach eingegangen wird, wobei thematische Konkretisierungen (z.B. zum Verkehr) sinnvoll sind:

Was spricht gegen eine Reduktion der CO2-Emissionen?

Was spricht für eine Reduktion der CO2-Emissionen?

Um wie viel Prozent sollen die CO2-Emissionen gesenkt werden?

Welche Möglichkeiten gibt es zur Reduktion der CO2-Emissionen?



Spielunterlagen:

Diese Tabelle zeigt, wer welche zusätzlichen Spielunterlagen bekommt
 
 
Informationen zum Kyoto-Protokoll
Die ökologische Steuereform
Auswirkungen einer
ökologischen Steuereform


Die Fakten zur Klima-erwärmung
Das Car Sharing-Modell
Umweltschützer
x
x
x
x
 
Politiker
x
x
x
  
Verkehrsplaner
x
x
x
  
Straßenanrainer
x
x
x
  
Firmenchef
x
x
x
  
Betriebsrat einer Transport-firma 
x
   
Angestellter
x
x
  
x


 Informationen zum Kyoto-Protokoll
 Ökologisierung des Fiskalsystems: Die ökologische Steuerreform
 Folgen des Klimawandels
 
 

Quelle

Dipl.-Ing. Dr. Horst Steinmüller (Hrsg.): Kyoto-Zielerfüllung im Verkehr – eine Illusion?. Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität Linz. Universitätsverlag Rudolf Trauner. Linz 2002.


Allgemeine Informationen

Dauer: 3 - 4 Stunden
Gruppengröße: 10 - 20
Moderator: nein
Finanzieller Aufwand: keiner
Technischer Aufwand: keiner
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-06

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