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Rio: Jugenddelegierte brechen Lanze für BNE

23.06.2012
Foto: Jugend-Umwelt-Plattform JUMP

Die Jugendvertretung der österreichischen Delegation an der UN-Konferenz über nachhaltige Entwicklung nahm enttäuschte Erwartungen, aber auch Erfolgserlebnisse mit nach Hause.

Zwei Wochen waren Julia Isabella Rainer, 19 und Raphael Lueger, 22, in Rio de Janeiro vor Ort, um als Jugendvertetung der österreichischen Delegation an der UN-Konferenz über nachhaltige Entwicklung teilzunehmen: Blog der Jugenddelegierten

"In den Medien wurde bereits viel Negatives über die Konferenz berichtet, und in gewissem Maße sind auch wir Jugenddelegierten enttäuscht, da wir uns konkretere Schritte für eine nachhaltige Zukunft gewünscht hätten" erklärt Raphael. "Trotzdem sehen wir die Konferenz auch als Erfolg. In den letzten beiden Wochen konnten wir hautnah miterleben, wie schwierig es ist, bei so vielen unterschiedlichen Interessen auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.“

Erfreulich ist es, dass gerade das Erfolgserlebnis der JUMP-Leute (JUMP= Jugend Umwelt Plattform) mit der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BINE) im Zusammenhang steht.

Julia Isabella weiß da zu berichten: "Durch unseren Einsatz als Jugenddelegierte haben wir es gemeinsam mit den internationalen JugendvertreterInnen geschafft, das Thema 'außerschulische Bildung' wieder in das UN-Dokument einzubringen. Dieser Absatz war zuvor bereits aus dem Text gestrichen worden, und normalerweise können solche Entscheidungen nicht mehr rückgängig gemacht werden. Durch unseren persönlichen Einsatz und viele Gespräche mit wichtigen EntscheidungsträgerInnen, ist es uns jedoch gelungen, alle VerhandlungspartnerInnen von der Wiederaufnahme dieses für junge Menschen so wichtigen Themas zu überzeugen.“ 

Starker BNE-Impuls 1992

20 Jahre ist es nun her, dass auf dem berühmten ersten Rio-Gipfel (1992) die Nachhaltigkeitsprinzipien auf ihren Weg rund um den Globus geschickt wurden. Der Bildung war damals im Kapitel 36 der Agenda 21 eine bedeutende Rolle zugeschrieben worden: Sie sollte in alle Bildungsbereiche eindringen. Die Vereinten Nationen haben aus diesem Grund die Jahre 2005 bis 2014 zur UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgerufen. Auch in Österreich sollen mit der Strategie zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (2008) der Bewusstseinswandel Richtung Nachhaltigkeit bei Lernenden und Lehrenden unterstützt und BNE-AkteurInnen vernetzt werden und ist dabei gut unterwegs. Informationen dazu finden Sie hier: Dekadenbüro

Durchwachsene Bilanz 2012

Skepsis war allerdings abgebracht, inwiefern bei der eben zu Ende gegangenen Rio+20-Konferenz BNE sichtbar werden würde. Die Vorzeichen dafür waren nicht vielversprechend. 

Im finalen Abschlussdokument , spielt BNE tatsächlich eine eher untergeordnete Rolle. Folgende Punkte sind dabei hervorzuheben:

  • Die bisher etwas „schullastige“ BNE soll – so explizit im Abschlussdokument – mehr als bisher auf den nonformalen (= außerschulischen) Bildungsbereich ausgedehnt werden (Pkt. 231). Das ist insofern bedeutsam, weil, wie KritikerInnen wie z.B. Heino Apel (umwelt & bildung 4/11) meinten, „die Eltern der deutschen BNE-Schul-Variante Gerhard de Haan/Dorothee Harenberg … den Rio-Bewusstseinsimpetus“ gekappt und „sich auf den Kompetenzerwerb“ verlegt hätten. Dem „Schulwesen wollte und konnte man nicht gesellschaftlichen Aufruhr gegen nicht nachhaltige Politik unterschieben.“ Die Neufassung könnte dazu führen, dass die von Heino Apel beklagten „offensichtlichen Ungereimtheiten zwischen der angebotsorientierten Schul-BNE und den nachfrageorientierten Weiterbildungsangeboten zu Nachhaltigkeitsproblemen im BNE-Mainstream“ endlich diskutiert werden, und so in der BNE das Lot zwischen eher „wertneutralem“ Kompetenzmodell und gesellschaftspolitischem Impetus vom Rio 1992 wieder zurechtgerückt werden könnte.
  • Zum Zweiten ist bemerkenswert, dass im Abschlussdokument darauf hingewiesen wird, dass an eine konkrete Fortsetzung der BNE-Dekade über 2014 hinaus nicht gedacht sei, sonder BNE „nur“ noch mit noch größerem Impetus in den Bildungsbereich eingebracht werden sollte. Hervorgehoben werden dabei der internationale Austausch und die interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Dass Punkt 231 im Abschlussdokument erhalten blieb, haben wir – wie gesagt – Julia-Isabella und Raphael zu verdanken: „Ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt, für seine Positionen einzustehen, auch wenn die Situation noch so aussichtslos scheint!", wie Julia dazu meint.

Engagement wird fortgesetzt

Anfang Juli werden Julia und Raphael 60 weiteren Jugendlichen aus ganz Österreich im Rahmen des Jugendforums Rio+20, organisiert von der Jugend-Umwelt-Plattform JUMP und der Bundesjugendvertretung, von ihren Erfahrungen in Rio berichten. Und selbstverständlich werden sie ihr Engagement auch in Österreich weiter fortsetzen. "Beim Jugendforum werden wir gemeinsam mit den anderen Jugendlichen eine Jugend-Deklaration Rio+20 erarbeiten, mit der wir uns für konkrete Umsetzungsmaßnahmen der Rio+20-Ergebnisse in Österreich einsetzen! Der Prozess ist nicht abgeschlossen, die Umsetzung fängt jetzt erst an“, sind Julia und Raphael optimistisch. 

Wolfgang Sorgo/APA

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