Österreichisches Portal für Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung

Food for Thought: WWWandel 3.0?

Die FORUM-Vortragsreihe "Food for Thought - Vor-, Nach- und Querdenken zur Nachhaltigkeit" beschäftigte sich mit Potenzialen und Illusionen von Social Media.

Wie verändert die Nutzung von sozialen Medien zwischen Carrotmob und Mobbing, Revolution und Shitstorm unser Verständnis von Demokratie? Die Phänomene sind ebenso zahlreich wie die Ansichten dazu ... wie die TeilnehmerInnen der Food for Thought Veranstaltung am 23.5.2012 im Musikzimmer der Diplomatischen Akademie erfahren konnten.

Zunächst zum Begriff „Web 3.0“: Der Journalist, Fotograf und Autor Matthias Bernold versteht darunter die Übertragung von Geschehnissen und Bewegungen im Internet (wie Open Source) „zurück in die reale Welt“.
Als Diskussionseinleitung stellte er die drei Kerngedanken seines Buches "Revolution 3.0 - die neuen Rebellen und ihre digitalen Waffen" vor:

  • Wutbürgertum ersetzt Politikverdrossenheit und bietet eine Chance für Demokratie
  • Internet allein ist zu wenig: Politische Bewegungen brauchen Organisationsstrukturen
  • Organisationen sind erfolgreich, wenn sie Bewegungen erzeugen

StudentInnenproteste an der Uni Wien, 2009. Foto: Manfred Werner - Tsui

Drei Beispiele, bei denen Soziale Medien eine zentrale Rolle spielten, sollten diese Gedanken untermalen: „Uni brennt“ (die Protest-bewegung der Wiener StudentInnen im Jahr 2009), der Arabische Frühling und „Stuttgart 21“ (Massenproteste gegen ein Bauvorhaben in Stuttgart).

Bernolds Fazit: „Das Internet kann Passive zu Aktiven, Verdrossene zu Wutbürgern und Sympathisanten zu Botschaftern machen“ und ist also ein Instrument, dass Bewegungen erzeugen, aber nicht die inhaltliche Arbeit ersetzen kann.

Verbessert Social Media unsere Demokratien?

Dieser These, die davon ausgeht, dass Social Media die Menschen dazu befähigt, mehr mitzuentscheiden, widerspricht der grüne Gemeinderat Christoph Chorherr vehement: Bei Politik geht es „um das Aushandeln unterschiedlicher Interessen und es ist ein großer Irrtum, zu glauben, dass man das über Facebook oder Twitter tun kann.“ Die über zweieinhalb tausend Jahre entwickelten Formen der Demokratie mit unter Umständen langwierigen Diskussionen und Kompromissfindungsprozessen kann in seinen Augen das Internet mit seiner Schnelllebigkeit nicht ablösen bzw. verbessern. Hinzu kommen die Tücken der Schriftsprache: „Wenn Sie beruflich oder privat einen Konflikt haben und Sie versuchen, ihn über Email zu lösen, können Sie sich sicher sein, dass Sie diesen Konflikt anheizen“ so Chorherr.
Für Matthias Bernold ist ein Vorteil, dass ein direkterer Kontakt zu PolitikerInnen durch Soziale Medien möglich ist.

Ist Social Media jetzt gut oder böse?

Ira Mollay, die ihre Plattform www.mutmacherei.at präsentierte und damit zeigen konnte, dass das Internet neben der Informationsbeschaffung vor allem zur Vernetzung genutzt werden kann, bezeichnete den Umgang mit den sozialen Medien als „großes Experiment, bei dem wir nicht wissen, wie wir in dieses Experiment eingestiegen sind und dass wir etwas üben, von dem wir noch nicht wissen, was es ist“.

Die DiskutantInnen waren sich einig, dass man auf persönlicher und beruflicher Ebene zum Teil sehr von den Möglichkeiten der sozialen Medien wie Twitter und Facebook profitiert, und der Umgang damit in den Schulen verstärkt reflektiert werden sollte.
Ob die Sozialen Medien wirklich das Potenzial haben das Demokratieverständnis zu verändern und die Beteiligung an politischen Prozessen zu erhöhen, liegt wohl vor allem daran, ob es als ein ergänzendes und nicht als alleiniges Instrument genutzt wird.

Sophia Garczyk


Buch:
Matthias Bernold/Sandra Larriva Henaine:
Revolution 3.0. Xanthippe Verlag, Zürich 2012. 162 S., EUR 20,50
ISBN978-3-905795-13-4

Logo FUTURE LECTURES © FORUM Umweltbildung

FUTURE LECTURE #2
„Design Wars“: Gefahr oder Lösung zukünftiger Nachhaltigkeit?

DesignstudentInnen werden darin trainiert und DesignpraktikerInnen dafür entlohnt, Produkte für die Wegwerfgesellschaft zu entwickeln. Wie lässt sich das ändern? Zweiter Teil der FUTURE LECTURES Serie.

Termin: 28. November 2017, 18:00 - 20:00
Veranstaltungsort:
FH Salzburg/Campus Kuchl, Markt 136a, 5431 Kuchl, Raum E17

Mehr Informationen

Newsletter

Immer gut informiert mit unserem Newsletter, jetzt anmelden:




Weitere Webseiten des FORUM Umweltbildung

Bildungslandkarte © FORUM Umweltbildung
Bildungsförderungsfonds © FORUM Umweltbildung
Praxismaterialien © FORUM Umweltbildung
Weltaktionsprogramm © FORUM Umweltbildung
Future Lectures © FORUM Umweltbildung
CO2-Rechner © FORUM Umweltbildung
© Filmladen