Wenig Bezahlung, aber oft unbezahlbar für den Lebenslauf!
Der Stellenwert eines Ökopraktikums bei Berufsorientierung und Arbeitssuche ist nicht zu unterschätzen. Das bestätigte im Gespräch auch Frau
Margit Voglhofer während ihrer Tätigkeit beim WIFI schon 2003. Das Gespräch führte Daniela Lipka und wurde in der Ökoferienjobbroschüre veröffentlicht.
Margit: Voglhofer: Ich freue mich sehr, dass es das Ökoferienjobangebot gibt! Ich bekomme oft Anfragen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in der Berufsorientierung sind und nach sinnvoller Tätigkeit suchen. Viele Jugendliche wollen sich im Umwelt- oder im Sozialbereich engagieren. Besonders Frauen haben diesen Anspruch bei der Berufswahl.
Die meisten AnbieterInnen in der Broschüre haben keine Jobs anzubieten, sondern brauchen nur für wenige Wochen im Jahr Mithilfe. Welchen Vorteil haben diese Stellen für Menschen in der Berufsorientierung?
Margit: Voglhofer: Ein Praktikum hat einen hohen Stellenwert! Gerade die Selbsteinschätzung ist für Jugendliche anfangs schwer. Ein Praktikum bietet eine große Chance, sich an der Realität zu erproben. Ich stelle dabei zwei wichtige Dinge fest. Erstens: Was gefällt mir an einer Tätigkeit? Und zweitens: Liegt mir die Tätigkeit?
In den USA ist unentgeltliches Engagement im ökosozialen Bereich ein Pluspunkt im Lebenslauf. Jugendliche verzichten auf den gut bezahlten Ferienjob im Bierlokal und helfen stattdessen einer Bergbauernfamilie beim Kühe hüten. Ist das hierzulande im Lebenslauf auch ein Vorteil?
Margit: Voglhofer: Durchaus. Ich sage damit: Ich habe körperliche Arbeit geleistet und bin jeden Morgen sehr früh aufgestanden. Das zeigt: Ich habe Durchhaltevermögen. Ich bin für einen Monat auf den Bauernhof übersiedelt und habe mich in diese Familie integriert. Das bedeutet: Ich bin flexibel und kann mich auf eine neue Arbeitsumgebung einstellen. Wir haben dort gemeinsam gearbeitet, das heißt: Ich kann im Team arbeiten und habe soziale Fähigkeiten erworben. Das alles kann man aus diesem ungewöhnlichen Praktikum herauslesen.
Kann ein Ökopraktikum auch älteren Menschen bei der Berufsorientierung helfen?
Margit: Voglhofer: Da kommt es darauf an, wie das Praktikum in den Lebenslauf hineinpasst. Angenommen, es hat eine Frau früher in einer Bank gearbeitet, war anschließend ein paar Jahre bei ihren Kindern zu Hause, hat darauf ein Ökopraktikum gemacht und bewirbt sich dann bei einer Umweltorganisation in der Buchhaltung - da passt das Praktikum in den Lebenslauf. Generell gilt: Ein Praktikum gemacht zu haben ist immer besser, als wenn ich in den Lebenslauf schreiben muss, dass ich in dieser Zeitspanne arbeitslos war.
Welche Ökopraktika würden Sie besonders empfehlen?
Margit: Voglhofer: Der Renner ist sicher ein Praktikum im Ausland, wo ich mir auch Fremdsprachenkompetenz erwerben kann.
Können Sie einen Tipp geben, wie Jugendliche ihr Ökopraktikum im Lebenslauf darstellen sollen?
Margit: Voglhofer: Das Praktikum soll nicht nur in einer schnöden Zeile erwähnt werden. Wichtig ist, und das gilt für alle Tätigkeiten, die ich im Lebenslauf beschreibe: Immer zwei oder drei Beispiele geben, was ich bei dieser Arbeit, bei diesem Praktikum konkret gemacht habe. Der Lebenslauf sollte dabei auf die Stelle angepasst sein, für die ich mich bewerben will. D.h., wenn ich mich bei einer Bank bewerbe, werde ich nicht schreiben, dass ich den ganzen Tag Heu geschupft habe, sondern ich werde herausstreichen, dass ich zum Beispiel am Abend der Bäuerin bei der Buchhaltung geholfen habe. Für alle Praktika gilt: Die Jugendlichen sollen sich unbedingt eine schriftliche Bestätigung für ihr Praktikum ausstellen lassen. In dieser Bestätigung soll vor allem auf erworbene oder nachgewiesene Eigenschaften wie Teamfähigkeit, Durchhaltevermögen und Flexibilität hingewiesen werden.
Danke für das Interview!zurück