Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Wie schaut es um die Ölreserven aus?

©

Weltweites Ölfördermaximum und geschätzte Weltreserven sind eng miteinander verbunden.

Faktoren, die Ölreserven mitbestimmen

Da der Höhepunkt der Förderung dann erreicht ist, wenn etwa die Hälfte des förderbaren Öls verbraucht ist, spielt die Schätzung der Reserven eine entscheidende Rolle. Die Höhe der Ölreserve ist allerdings kein fester Wert, sondern hängt u. a. vom Ölpreis und von der eingesetzten Technik ab. So können derzeit (2006) sogar bei Einsatz hoch modernster Technik nur etwa 35 – 45% einer vorhandenen Lagerstätte ausgebeutet werden. Dieser Spitzenwert wird jedoch kaum erreicht, vor allem nicht bei den bedeutenden Ölfeldern im Nahen Osten, weil viele Lagerstätten durch zu schnelles Pumpen beschädigt wurden. Auch nutzen die erdölproduzierenden Staaten die Interpretationsspielräume bei der Definition von Reserven, um die ausgewiesenen Reserven zu manipulieren. Oftmals spiegeln die angegeben Werte daher eher politische Interessen denn geologische Tatsachen wider. Als beispielsweise die OPEC-Länder 1985 entschieden, ihre Förderquoten an die jeweiligen Reserven zu koppeln, provozierte dies eine künstliche Anhebung der Reserven in den einzelnen Mitgliedsstaaten, da diese höhere Förderquoten bei einem höheren Preis erhalten wollten.

Auch kann nur ein kleiner Teil der weltweiten Ölvorkommen – größtenteils konventionelles Erdöl - tatsächlich als Reserve gefördert werden. Je stärker der Ölpreis ansteigt, desto mehr erhöht sich auch der wirtschaftlich förderbare Anteil. Der Rest, bei dem es sich überwiegend um unkonventionelles Erdöl handelt, bleibt eine Ressource und kann nicht gefördert werden. Durch technischen Fortschritt sowie bessere und günstigere Abaumethoden können Erdölressourcen zu nutzbaren Reserven werden.

Die Einführung einer Erdölkonstante

Da sich aus diesem Grund in den letzten 50 Jahren die Größe der Reserven trotz Verbrauch kaum veränderte, ist häufig von der These der Erdölkonstante, die eine konstante statistische Reichweite von 36 Jahren (2005) angibt, die Rede. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass erstens die Reserven als zu groß angegeben worden sind – dies gilt vor allem für den Nahen Osten. Zweitens ist aufgrund geologischer und physikalischer Grenzen sowie des Phänomens Peak-Oil kaum eine weitere Ausbeutung alter Ressourcen mittels neuer Technologien möglich. Drittens wurde an beinahe allen Orten schon nach Öl gesucht und da große Felder am leichtesten gefunden werden, ist die Entdeckung bedeutender neuer Ölfelder so gut wie ausgeschlossen. Viertens würde sich die Erschließung von eventuell gefundenen, neuen Ölfeldern über Jahre ziehen, sodass das Ereichen eines weltweiten  Ölfördermaximums nicht verhindert werden kann. Fünftes ist die Erdölkonstante gar nicht wirklich konstant, sondern schrumpft vor allem aufgrund der schwer einschätzbaren, stark wachsenden Nachfrage aus Ländern wie China. Der derzeit kolportierte Wert der statistischen Reichweite von 36 Jahren ist allerdings relativ unbrauchbar, wenn es darum geht zu ermitteln, wann es tatsächlich zu Engpässen in der Erdölversorgung kommt. Der Zeitpunkt, an dem uns das Öl ausgeht, ist nämlich letztendlich das weltweite Ölfördermaximum und nicht dann, wenn aus den letzten Quellen noch wenige Barel gefördert werden.

Quelle:

 Wikipedia - die freie Enzyklopädie

Braun, Herbert
Energiewirtschaft
Skriptum zur Lehrveranstaltung: "Energiewirtschaft" an der Universität für Bodenkultur, Wien
Das Skriptum gibt grundlegende Einblicke über Fakten und Zusammenhänge in der Energiewirtschaft. Weiters werden Methoden zur Beurteilung von Prozessen der Energiewirtschaft vorgestellt.
Eigenverlag
Fachliteratur
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-11

 zurück zur vorigen Seite